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[Die Zukunft der Mensch-Technik-Interaktion – Eine neue Sichtweise auf das Affiliate Marketing]

07
Nov 2019

Die Zukunft der Mensch-Technik-Interaktion – Eine neue Sichtweise auf das Affiliate Marketing

Den Abschluss unserer Interview-Serie macht unser Keynote-Speaker Prof. Dr. Fabian Hemmert. Jedes Jahr laden wir einen Speaker ein, der nicht aus dem direkten Umfeld des Affiliate Marketings kommt und so mit einer ganz neuen Sicht auf die Branche die Konferenz eröffnet. Viel Spaß beim Lesen dieses interessanten Interviews!

Hallo Fabian – wir starten ganz klassisch und bitten dich, dich kurz vorzustellen.

Gern – mein Name ist Fabian Hemmert, ich bin Professor für Interface- und UX-Design an der Bergischen Universität Wuppertal.

An welchen Punkten deiner Laufbahn bist du bereits mit Affiliate Marketing in Berührung gekommen?

Mein „großes Thema“ sind ja zukünftige Umgangsformen von Mensch und Technik. Ich bin ein großer Fan von Jaron Lanier, der sich auch intensiv damit befasst, dass es aktuell in der Netz-Wirtschaft keinen Mittelstand gibt – nur Sklaven (die Nutzerinnen und Nutzer) und einige wenige Diktatoren (die großen Corporates). Das muss sich ändern. Affiliate Marketing zeigt, wie man im Netz Geld verdienen kann, ohne sich zu versklaven oder ohne selbst zum Diktator zu werden. Mich interessiert das Spannungsfeld, in dem wir uns derzeitig bewegen: „Technischen Fortschritt fördern – und uns dabei unsere Menschlichkeit bewahren.“

„Virtuell Reality“ und „KI“ sind populäre Begriffe, wenn man über die Zukunft spricht. Ansätze in Hard- und Software sind durchaus jetzt schon vorhanden… Wo denkst du stehen wir hier?

Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ ist schwierig: Er suggeriert, dass wir es geschafft hätten, Intelligenz künstlich herzustellen. Wenn ich ins Büro komme und sage, „Heute gibt es in der Kantine künstliches Fleisch.“, dann ist die Rede von echtem Fleisch (und nicht etwa von Soja oder Tofu), das aber aus der Petrischale kommt. Soweit sind wir bei der „künstlichen Intelligenz“ noch lange nicht – und genau genommen weiß auch niemand so recht, was „Intelligenz“ überhaupt ist – geschweigedenn, wie das mit dem Denken bei Menschen überhaupt funktioniert. Trotzdem ist die Entwicklung rund um das Thema „Maschinelles Lernen“ (was vielleicht ein etwas unproblematischerer Begriff dafür ist) sehr spannend.

In Sachen Virtual Reality schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Das eine ist mein Gamer- und User Experience-Herz: Entwicklungen wie VR und AR werden uns zukünftig tolle Erlebnisse bescheren, die wir in der Realität nicht haben können oder wollen. Natürlich – und hier schlägt das Herz des Digital-Ethikers in mir – darf uns die Simulation nicht die Realität stehlen. Ich bin beispielsweise ein großer Gegner von AR-Spielen, die Menschen dazu bringen, auf ihren Bildschirm starrend durch Innenstädte zu laufen – gleichzeitig bin ich ein großer Fan von Geocaching, wo das Handy eher eine Nebenrolle spielt. Die Hauptrolle sollte der Mensch spielen, und sei es auf einen Baum kletternd und eine Tupperdose aus einem schlammigen Astloch fischend. Es sind reale Erlebnisse, die das Leben zu dem machen, was es ist.

Du „warnst“ davor, dass wir nicht zu einer Art „Darth Vader“ werden dürfen, einer Mischung aus Mensch und Maschine… wie siehst du die jetzige Gesellschaft – einige Menschen (jung und alt) scheinen heute schon bereits mit ihrem Smartphone verwachsen zu sein.

Kürzlich beobachtete ich einen Mann im Bus dabei, wie er auf seinem Smartphone ständig im Kreis navigierte: News, Social Media, E-Mail. Nichts Neues. Zurück zu News, dann wieder zu Social Media… wie ein Tiger im Käfig, auf der Suche nach etwas von Bedeutung – oder einem Ausgang. Etwas später fiel mir auf, dass ich es selbst war, den ich beobachtete.

Ich bin also keine Ausnahme – interessiere mich aber sehr für kleine Hacks, die mein Handy für mich selbst uninteressanter machen: Den Browser deaktivieren, keine E-Mails mit dem Gerät empfangen, es auf Schwarz/Weiß-Darstellung einstellen, … all das kann ich empfehlen, wenn man die eigene Beziehung zum Smartphone etwas entspannter gestalten möchte.

Auch in der Uni haben wir übrigens eine gute Umgangsweise mit dem Smartphone gefunden – gerade in Kreativprozessen wie bei uns im Studiengang „Industrial Design“ ist der zwischenzeitliche Blick auf das Smartphone natürlich potenziell tödlich für Ideen, die sich gerade entwickeln. Smartphones sind deshalb nicht verboten – wir (ich auch) lagern sie aber auf der Fensterbank, außer Armreichweite. Jeder Studierende darf jederzeit dorthin gehen und das Gerät benutzen. Die Geräte dürfen auch laut sein. Aber: Durch die Lagerung außer „Reichweite“ wird die Benutzung zu etwas Bewusstem. Die Rückmeldung der Studierenden: Es ist toll, sich mal 4 Stunden auf ein Thema zu konzentrieren – ununterbrochen.

Nun zum Marketing – Welche Veränderungen stehen den Werbetreibenden und den User schon in naher Zukunft bevor? Vielleicht auch schon speziell im Affiliate Marketing.

Wir blicken ja derzeitig in eine Zukunft, die viele Veränderungen für das Marketing mit sich bringt. Eine Entwicklung sind immer intensivere Erlebnisse, die uns im Umgang mit der digitalen Welt ermöglicht werden: Augmented Reality, Virtual Reality, Haptik, Sprach-Interfaces, …

Dieser Entwicklung steht eine andere gegenüber: Digitale Ethik. Wir hinterfragen heute viel besser als bisher, was das richtige ist. Ist es richtig, Menschen durch Werbung zum Kauf einer Harley-Davidson zu animieren, die sie andernfalls vielleicht gar nicht gewollt hätten? Ist es falsch, seinen Ehepartner durch Ad-Targeting dahingehend zu manipulieren, dass er bzw. sie mit dem Rauchen aufhört (wie es „The Spinner“ vormacht)?

Die diesjährige Conference steht unter dem Claim „Affiliates for Future“ und ist nachhaltig ausgerichtet – natürlich auch ein aktuelles Thema! Deiner Meinung nach ein Trend oder ein echtes, nachhaltiges Umdenken der Gesellschaft?

Ich bin überzeugt davon, dass die Menschheit ihren Weg finden wird. Ich finde die „Fridays for Future“-Bewegung, auf die sich „Affiliates for Future“ ja bezieht, grandios – in der Demokratie sind wir alle Politiker, auch die, die noch nicht wählen dürfen. Ich wünsche mir (und gehe davon aus, dass es so passiert), dass Nachhaltigkeit ein zentrales Thema unserer Gesellschaft bleiben wird. Nie ohne Spannungen und Interessenkonflikte, aber immer im Zentrum.

Auf was freust du dich bei der Affiliate Conference 2019 am meisten?

Für mich fällt der Besuch auf der Affiliate Conference 2019 ja in den Bereich „Intellektueller Tourismus“: Affiliate Marketing ist nicht mein Kernthema, aber es ist benachbart zu meiner Forschungsfrage, wie wir zukünftig mit der digitalen Welt umgehen werden. Deshalb freue ich mich vor allem auf den Austausch mit Menschen, die nicht genau das machen, was ich mache – die aber ähnliche Fragen beschäftigen, allerdings aus anderen Perspektiven.

Vielen herzlichen Dank für deine Zeit!!!

Jederzeit, gern. Wir sehen uns am 11. November!

Mehr zu Fabian Hemmert auf www.fabianhemmert.com und www.vortrag-digitalisierung.com

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