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[Was Publisher zur Weiterentwicklung der Branche beitragen können – Interview mit Ingo Kamps]

20
Sep 2018

Was Publisher zur Weiterentwicklung der Branche beitragen können – Interview mit Ingo Kamps

Als Moderator unserer großen Panel-Diskussion diskutiert er mit Vertretern der Affiliate-Netzwerke, Affiliates, Merchants und Agenturen über die neuesten Trends und Entwicklungen der Affiliate-Branche. In unserem Gespräch erzählt uns Ingo Kamps, wie sich seiner Meinung nach die Branche weiterentwickeln wird und welche Veränderungen zu weiterem Wachstum der Branche führen werden. 

Hallo Ingo, du bist ja schon seit Langem treuer Begleiter der Affiliate Conference. Kannst du dich unseren Lesern, die dich noch nicht kennen, trotzdem kurz vorstellen?

Ich glaube sogar, dass ich neben dem Veranstalter Markus Kellermann der Einzige bin, der an allen Affiliate Conferences als Speaker oder Panel-Moderator partizipiert hat. Das empfinde ich natürlich als große Ehre. Ingo Kamps ist mein Name, ich bin CEO der cayada GmbH und dem Affiliate Marketing seit über 15 Jahren verbunden. Die Advertiser-Seite ist mir nicht unbekannt, allerdings war ich die meiste Zeit über selbst als Publisher aktiv und bin es auch jetzt. Diese Rolle entspricht meiner DNA anscheinend am besten.

Als Director Performance-Marketing der Contact Impact GmbH, einer Beteiligungsgesellschaft der Axel Springer SE, kümmere ich mich um die Performance-Vermarktung von Websites wie Bild.de, Welt.de, Finanzen.net, Sport1.de usw. Das ist eine sehr spannende Aufgabe, da es sich bei Axel Springer nicht nur eine der bekanntesten Medienmarken in Europa handelt, sondern auch technologisch in der ersten Reihe mitspielt.

Ich habe auch schon einige Bücher geschrieben. Das aktuellste Werk trägt den Titel „Performance-Marketing“ und ist im Springer Gabler-Verlag erschienen.

Wie bist du zum Affiliate Marketing gekommen?

Das geschah tatsächlich eher zufällig. Ich habe seinerzeit ein paar Tests mit einigen Advertisern auf einer kleinen Website gemacht und dafür eine AdWords-Kampagne gestartet. Als ich nach einigen Stunden wieder nach Hause kam, waren auch tatsächlich schon drei Sales bei zanox aufgelaufen. Die im Netzwerk verzeichnete Provisionshöhe lag dabei über den Ausgaben für die Suchmaschinen-Anzeigen. Also habe ich Website und Kampagnen kurzerhand ausgebaut. Die Aktion hätte allerdings auch ins Auge gehen können, denn ich wusste zu dem Moment noch nicht mal, dass es auch Stornos gibt.

Bis ich dann aber den kompletten Sprung ins Affiliate Marketing gewagt habe, ist noch eine ganze Zeit ins Land gegangen. Ich habe die Nachhaltigkeit der Bemühungen immer noch bezweifelt. Als dann aber immer mehr Agenturen, Advertiser und die Netzwerke auf mich zugekommen sind und die Partnerschaft ausbauen wollten, manifestierte sich langsam mein Glaube an das Geschäftsmodell. Glücklicherweise habe ich aber auch relativ schnell begriffen, dass man sich auf temporären Erfolgen nicht ausruhen darf und Google ein sehr launischer Partner sein kann.

Wie auch schon im vorigen Jahr, bist du Moderator der Panel-Diskussion zum Thema „Trends im Affiliate Marketing“. Welche Trends oder Entwicklungen siehst du im Affiliate Marketing?

Das Influencer-Segment wird sicherlich weiter an Relevanz gewinnen, da das Thema einfach heiß ist und Reichweiten relativ leicht aufgebaut werden können. Außerdem eignet sich Influencer Marketing grundsätzlich perfekt für eine performance-basierte Abrechnung. Damit können Advertiser auch das Problem umgehen, für aktuell systemimmanente Fake-Reichweiten und Bot-getriebenes Engagements zu bezahlen.

Künstliche Intelligenz und Machine-Learning sind ebenfalls häufig bemühte Trend-Begriffe und beginnen tatsächlich, ihre Stärken im Online-Marketing auszuspielen. Wir setzen entsprechende Algorithmen bereits sehr erfolgreich ein, um Nutzer anhand ihrer Persönlichkeit noch punktgenauer anzusprechen und späteres Upselling zu betreiben.

Darüber hinaus bin ich sehr gespannt, welches Affiliate Netzwerk zu dem Herausforderer des Platzhirschen AWIN avancieren kann. Grundsätzlich tut es jedem Markt gut, wenn sich dort Kontrahenten auf Augenhöhe begegnen. Aktuell vermag ich aber noch keine Prognose abzugeben, welches Public Network diesen Platz einnehmen wird. Vielleicht sind aber auch die Private Networks der lachende Dritte.

Inwiefern sind die Trend-Vorhersagen des vergangenen Jahres deiner Meinung nach dieses Jahr eingetroffen? War unsere Sorge um die neue DSGVO-Verordnung berechtigt?

Der Dauerbrenner attribuierte Provisionszahlungen führt weiterhin ein Nischendasein. Von den knapp 200 Advertisern – mit denen ich dieses Jahr zu tun hatte – hat nur ein einziger anteilig vergütet. Das hat allerdings gut geklappt, von daher besteht vielleicht doch noch Hoffnung für die Customer Journey.

Die temporären Reichweiteneinbrüche einiger Display-Publisher, die signifikante Teile ihres Traffics über die Google Marketing Plattform beziehen, haben deutlich gemacht, dass DSGVO und das Eprivacy nicht spurlos an der Affiliate-Branche vorbeigehen. Von daher war und ist die Sorge um die Zukunft des Nutzer-Trackings durchaus berechtigt, zumal der Eprivacy-Hammer ja erst noch am Horizont lauert. Dennoch hilft es natürlich nicht, den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass einen die Welle vielleicht nicht trifft. Die große DSGVO-Abmahnwelle haben wir bisher glücklicherweise trotzdem nicht erlebt.

In wie weit die Netzwerke jetzt in der Lage sind, Cross-Device-Sales zu erfassen, kann ich gerade gar nicht sagen. Dafür ist aber die Affiliate Conference der passende Ort, um das Thema zu erörtern.

Wie können Publisher und Affiliates mit diesen Trends mithalten?

Kontinuierliche Weiterbildung ist ein klares Muss. Wer heute ein funktionierendes Modell hat, kann morgen schon wieder mit leeren Händen dastehen. Dafür gibt es einfach zu viele Faktoren, auf die Affiliates keinen direkten Einfluss haben, z. B. wenn sie ihren Traffic einzig über den Google-Index beziehen. Wenn dem so ist, müssen sie sich beispielsweise mit Voice-Search auseinandersetzen, dessen Anteil am Suchvolumen weiter steigen wird.

Ich würde aber auch soweit gehen, dass die Affiliates es nicht alleine können. Alle Mitarbeiter von Agenturen und Netzwerken sollten zumindest ein rudimentäres Verständnis besitzen, wie Affiliates arbeiten, Sales tatsächlich zustande kommen, mit welchen sauberen und unsauberen Methoden sich Cookies schreiben lassen und realistisch einschätzen können, welche technologischen Trends Realität werden und wann sie lediglich wohlklingendes Buzzword-Bingo serviert bekommen. Nur im Vierklang Agenturen, Netzwerke, Advertiser und Affiliates kann es echte Weiterentwicklung geben.

Ein Besuch der Affiliate Conference oder der TactixX bringt alle Protagonisten schon mal deutlich weiter. Dort gibt es einen guten Gesamtüberblick über technische Entwicklungen, allgemeine Trends und die rechtlichen Komponenten. Wir können uns übrigens glücklich schätzen, so qualitativ gute Konferenzen in Deutschland zu haben. Das wurde mir nach einem Besuch der Affiliate World in Barcelona wieder sehr deutlich bewusst.

Was können sie zur Weiterentwicklung der Branche beitragen?

Insgesamt können einige Publisher noch sichtbarer werden, wenn es um Diskurse geht, die nicht nur ihre eigenen Provisionszahlungen, sondern das Fortkommen der gesamten Branche betreffen. Sie müssen Vorträge halten, an Panel-Diskussionen teilnehmen, Artikel in journalistischen Publikationen veröffentlichen, in Verbänden mitwirken und somit auf sich aufmerksam machen. Dadurch stärken sie sich selbst als Marke und helfen den anderen Parteien dabei, ihre Aktivitäten besser zu verstehen. Davon profitieren dann alle.

Auf was freust du dich am Meisten bei der Affiliate Conference?

Ich freue mich natürlich auf unser Panel, das in diesem Jahr auch wieder hochkarätig besetzt sein wird. Bei den Vorträgen bin ich natürlich auf die Ausführungen von Michael Neuber gespannt, da uns der Datenschutz auch weiterhin begleiten wird. Es gibt aber auch weitere spannende Themen wie künstliche Intelligenz, Fraud-Prevention und die vielversprechende Keynote. Insgesamt scheint es ein rundes Programm zu sein. Und das Networking kommt sowieso nie zu kurz.

Vielen Dank für das Interview. Bis zum 08. November in München!

 

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